Warum werden in Erfurt seit vielen Jahren so viele Bäume gefällt?

Bäume und Baumfällungen haben die Erfurter Bürger nicht erst nach den begonnenen Arbeiten für die BUGA 2021 beschäftigt, sondern bei umgesetzten Projekten merkte man nach der Ausführung die Abweichung von der Planung zur Wirklichkeit (z.B. Angerrekonstruktion, Hirschgarten, Venedig etc.). Es zeigen sich grundsätzliche Fehler bei der Erhaltung von Baumbeständen (Tiefbauamt fehlt hier die notwendige ganzzeitliche Betrachtung) und eine tatsächliche Beteiligung der Bürger oder externer Sachverständiger hat meist nicht
stattgefunden.

Seit über 10 Jahren werden mehr Bäume gefällt als neue gepflanzt werden. Zu viele Ämter in mehreren Dezernaten sind an der Grundsatzentscheidung über Grün beteiligt, was nicht nur die Zeitdauer solcher Prozesse negativ beeinflusst. Außerdem fehlt der Kopf bei solchen Entscheidungen, so ist beispielsweise das Gartenamt der Bauverwaltung unterstellt. Abwägungen zum Grün fallen zu einem hohen Prozentsatz zu Gunsten des Bauens und damit für weniger Grün aus. Langfristige Planungen werden wieder in einem anderen Dezernat durchgeführt, welches jetzt von einem Experten für Kultur geleitet wird. Wo gibt es in Deutschland nochmal so eine Fehlentscheidung zur Struktur? 

Auch die Stelle des Gartenamtsleiters wurde erst nach über einem Jahr durch eine einsame Entscheidung eines Dezernenten besetzt. Das hat sich auch nicht gerade positiv auf die Planungen insgesamt und im Speziellen für die BUGA ausgewirkt. Wie nach der Wende müsste die Gesamtverantwortung für Grün, einschl. Umwelt- und Naturschutz, in einem Dezernat integriert werden und mit einem Leiter versehen, der alle anderen von der Wichtigkeit des Stadtgrüns auch in Hinblick auf den Klimawandel, die Erhöhung der Biodiversität und natürlich einer tatsächlichen Nachhaltigkeit überzeugen kann. Eine entsprechende fachliche Qualifizierung des Verantwortlichen setzte ich voraus. Es
bringt auch keine Vorteile, wenn der/die von der Partei B90/Grüne kommt.

Die Studie um Klimawandel und der Resilienz in der Oststadt bringt uns da mit über 20 Jahren bekannten Ergebnissen und bereits im Landschaftsplan von 1994 dargestellten Veränderungen nicht weiter. Das was als angeblich neue Visionen verkauft wird, haben
andere Städte bereits seit Jahren umgesetzt bzw. arbeiten an der Realisierung. Hier hat Erfurt viele Jahre verschlafen und ist noch nicht ganz aufgewacht! Bei Neubauprojekten (Leipziger Straße und Oststadt) spielt weiterhin Grün eine untergeordnete und leider nur
dekorierende Rolle.

Des Weiteren müssen Bauprojekte der Stadtentwicklung nicht nur von Mitarbeitern der Stadtverwaltung oder den für die Investoren tätigen Planungsbüros den Bürgern vorgestellt werden. Eine fachlich fundierte Diskussion und Hinweise über Fehlentwicklungen wird es nur von
Sachverständigen neutralen Landschaftsarchitekten oder Umweltplanern geben können. Außerdem sollte man in Erfurt über die Einberufung eines Beirates für Stadtgrün nachdenken, indem unabhängige Fachleute und natürlich auch die Bürger ein Mitspracherecht haben. Bei jedem Parteivorschlag für die Kommunalwahl sollten auch Kandidaten sein, die eine entsprechende erforderliche Fachausbildung im Bereich Grün aufweisen, damit später in den Ausschüssen qualifizierte Entscheidungen und für das Wohl der Erfurter Entscheidungen getroffen werden.

Erst dann würden in Erfurt wieder an den richtigen Stellen mehr Bäume gepflanzt werden, als man früher gefällt hat …

Dietmar Schumacher
Stellvertretender Vorsitzender & Ehrenvorsitzender