Zooparkfreunde auf 39. Zoofahrt in der Schweiz

Auf zu den Eidgenossen …

… hieß es zur 39. Zoofahrt des Vereins der Zooparkfreunde in Erfurt – wiederum hervorragend organisiert und betreut von VZE-Mitglied und Reiseexperte Lutz Asmus und dem Erfurter Reiseveranstalter „Weltenbummler“. Die Fahrt im ausgebuchten 50 Personen-Bus führte dieses Mal vom 22. bis 26. Mai zu drei zoologischen Gärten in der Schweiz. Mit vier Übernachtungen im Hotel „Bildungszentrum 21“ in Basel war es die bisher längste und umfangreichste Zoo-Reise in der 26-jährigen Vereinsgeschichte. Nach Ankunft im Hotel am Mittwochnachmittag hatte zunächst jeder die Möglichkeit, die Stadt Basel ausgiebig auf eigene Faust zu erkunden. Einen bleibenden Eindruck hinterließen dabei natürlich das imposante  Spaldentor als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung und der Rhein, der im Frühling zu einem reißenden Strom angeschwollen war.  Auf einen gemütlichen Restaurantbesuch verzichteten allerdings nicht wenige Zoofreunde – der hohen Preise wegen. Man zog es vor, sich dann doch lieber mit preisgünstigerem Fastfood aus dem Supermarkt zu beköstigen.

Die Teilnehmer an der großen Zoofahrt 2019 im Tierpark Bern.

Besuch des „Zolli“ in Basel

Der erste Programmpunkt am Folgetag war eine Stadtrundfahrt mit anschließender Besichtigung des Baseler Münsters. Einerseits sind es der mittelalterliche Charakter der Stadt und ihre Lage am großen Fluss, andererseits die deshalb dort zahlreich angesiedelten Industrieunternehmen, die das moderne Basel prägen. Der jährlich von 1 Mio. Gästen besuchte Zoo, von den Einheimischen liebevoll „Zolli“ genannt, ist der älteste zoologische Garten der Schweiz. Er wurde 1874 als Aktiengesellschaft gegründet. Einer seiner erfolgreichen Zoodirektoren war der Begründer der Tiergartenbiologie Dr. Heini Hediger, der zuvor in Bern später nach Zürich wechselte. Mitten in der Stadt gelegen und deshalb kaum mehr erweiterbar, beherbergt der Zolli auf nur 11 Hektar Fläche gegenwärtig über 7.000 Tiere in 628 Arten, darunter Somali-Wildesel, Panzernashörner und Königspinguine. Am späten Vormittag des 23. Mai wurden die Erfurter Zoofreunde zunächst am Zooeingang vom Präsidenten der Baseler Zoofreunde, Regierungsrat i.R. Dr. Peter Schmid begrüßt. Dr. Schmid berichtete voller Freude von seiner besonderen Beziehung zur thüringischen Landeshauptstadt, wo er Mitte der 1990er Jahre an der Seite von Gründungsrektor Peter Glotz an der Wiedererrichtung der Erfurter Universität mitwirkte. Enttäuscht erzählte er dagegen vom lange geplanten Ozeanium, dessen Bau erst gestern durch einen durch einen Volksentscheid verhindert wurde.

 

Zooparkfreunde im Züricher Zoo

Der Freitag war dem Besuch des Züricher Zoos gewidmet. Nach einer umfangreichen Führung in zwei Gruppen blieb wiederum genügend Zeit für Selbsterkundungen. Der Tiergarten auf dem Zürichberg spiegelt eindrucksvoll die Wirtschaftskraft der größten Stadt der Schweiz wieder. Die Besucherzahlen und damit die durch Eintritte selbst erwirtschafteten Einnahmen stiegen kontinuierlich an. Sie liegen inzwischen im zweistelligen Millionen-CHF-Bereich. Seit Anfang der 1990er Jahre neu entstandene bzw. sanierte Areale wie das Brillenbären-Gehege, die Himalaja-Anlage, die Masuala-Regenwaldhalle, das Afrikanische Gebirge, der Elefantenpark „Keang Krachan“ und die Australien-Anlage zeugen vom hohen tiergärtnerischen Knowhow auf dem Zürichberg. Neben dem 2014 eingeweihten Elefantenpark entsteht momentan die vier Hektar große „Lewa-Savanne“ mit vier künstlichen Baobab-Bäumen. Die kostspielige Anlage für Nashörner, Giraffen und andere Bewohner der afrikanischen Savanne soll, wie bereits der Elefantenpark, vollständig durch Spenden finanziert werden. Eine anschließend geplante Bootsfahrt auf dem Zürichsee konnte wegen Hochwassers  des Zuflusses Linth leider nicht stattfinden. Wir wären unter den Brücken nicht durchgekommen.

 

Im Berner Tierpark „Dählhölzli“ 

Klein aber fein, so erlebten wir den Besuch der Schweizer Hauptstadt Bern am vierten Tag der Zoofahrt. Eines ihrer touristischen Highlights ist zweifellos der historische Bärengraben mit Käfigturm. Menschen aller Nationen kommen eigens hier her, um zu schauen, was es mit der seit über 500 Jahren bestehenden früheren Haltung des Symboltieres der Stadt auf sich hat. Unweit dieser Stelle direkt am Ufer der Aare wurde 2009 in Hanglage ein zeitgemäßer Bärenpark eröffnet. Auch er wird, obwohl Kilometer entfernt, vom Berner Tierpark „Dählhölzli“ betreut. Im „Dählhölzli“ empfingen uns Präsident Stefan Flückiger und Geschäftsführer Mathias Zach vom dortigen Tierparkverein mit einem kleinen Imbiss und einem Zoosouvenir. Dann ging es, dem von Zoodirektor Prof. Schildger ausgegeben Motto „Mehr Platz für weniger Tiere“ folgend, wiederum gruppenweise auf Entdeckungstour – vorbei an ansprechenden Unterkünften für meist europäische Tiere. In einem grünen Kral mit massivem Holzhaus zeigten sich kurz zwei riesige Ussuri-Braunbären . „Ein Geschenk des damaligen russischen Präsidenten Medwedew an die Stadt Bern“, berichtet unsere Zoolotsin stolz. Ganz selten in einem Zoo – die an nordatlantischen Küsten und Klippen beheimateten Papageientaucher in einer extra für sie errichteten, begehbaren Flugvoliere mit beinahe echtem Meeresklima. Überall zweckmäßige Ideen – auch in Erfurt unbedingt zur Nachahmung empfohlen.

Die Zeit verging schnell und schon steuerte unser Bus der letzten Station der diesjährigen großen Zoofahrt – dem Rheinfall bei Schaffhausen – entgegen. Am Sonntagabend trafen alle Reiseteilnehmer wieder wohlbehalten am Erfurter Hauptbahnhof ein. Reiseleiter Asmus und dem Busfahrer Reiner Beutler von der Firma Wollschläger aus Laucha, die unterwegs kompetent und humorvoll mit immer neuen Informationen zu Landschaft und Leuten aufwarteten, sei abschließend nochmals für ihr überragendes Engagement gedankt. Dank gebührt an dieser Stelle gleichermaßen den drei Schweizer zoologischen Gärten für ihre überaus freundliche Aufnahme und die fachkundigen Führungen. Die 40. Zoofahrt findet übrigens am 7. September zum Tierpark Dessau statt, dann wieder mit zwei Reisebussen.

Dr. Norbert Neuschulz

Impressionen unserer 39. Zoofahrt

Das Baseler Spaldentor von 1398 – ein Hingucker für jeden Touristen in der Stadt.

Blick von der Promenade am Baseler Münster über den Rhein auf die Mittlere Rheinbrücke.

An einer der beiden Skulpturen namens „Markttische“ im Kleinen Kreuzgang des Baseler Münsters. Das von Bettina Eichin geschaffene, eigentlich für den Marktplatz vorgesehene Kunstwerk fand hier letztendlich Kirchenasyl, weil die Künstlerin nach einem verheerenden Großbrand beim Auftraggeber, dem Pharmakonzern Sandoz, im November 1986 von der Katastrophe tief beeindruckt flugs das Gestaltungskonzept veränderte und daraufhin den zweiten noch ausstehenden Tisch unter dem Titel „tabula rasa“ vollendete.

Die Afrikanischen Elefantenkühe Heri (vorn rechts), Rosy (links) und Maya im 2017 neu eröffneten Elefantenhaus „Tembea“. Der Erwerb von Rosy und Maya im Januar 1999 ging wie der von jeweils zwei Jungkühen für die Zoos in Dresden und Erfurt als Tuli-Elefanten-Affäre in die Zoogeschichte ein.

„Der ( neu erbaute) Ort wo die Löwen sind“ namens „Gamgoas“ im Zoo Basel. Hier lebt ein stattliche Löwenrudel mit Pascha.

Für den Somali-Wildesel führt der Zolli das Internationale Zuchtbuch und das Europäische Erhaltungszuchtprogramm. Die in der Wildbahn unmittelbar von der Ausrottung bedrohten Einhufer sind die Vorfahren unserer Hausesel. Alle heute in europäischen Haltungen befindlichen Individuen stammen von nur wenigen Tieren ab, die 1970 in den Baseler Zoo und 1972 in das Hai-Bar-Reservat nach Israel gelangten.

Ankunft im Züricher Zoo. Nicht nur der Eingang ist originell gestaltet.

Die 2003 im Zoo Zürich eröffnete Masuala-Regenwald-Halle erstreckt sich auf einer Grundfläche von 1,1 Hektar und beherbergt 50 verschiedene Wirbeltierarten. Eine besondere Attraktion ist der Baumkronen-Weg.

Die 2014 fertiggestellte neue Elefantenanlage setzt weltweit Maßstäbe.

Der in der neuen Anlage lebende Bulle „Thai“, geboren 2004 in Hagenbecks Tierpark, kam 2014 als Zuchtverstärkung aus der Bullengemeinschaftshaltung des Zoos in Heidelberg nach Zürich. Er wurde bereits einmal Vater.

Der nach einem thailändischen Nationalpark benannte Elefantenpark „Kaeng Krachan“ ist das bisher größte Bauvorhaben im Zoo Zürich. Die Anlage, in der gegenwärtig 2,6 Asiatische Elefanten leben, kostete 57 Mio. CHF – ausschließlich finanziert mit Spendengeldern.

Dank Storchenvater Max Bloesch konnte der 1950 in der Schweiz bereits ausgestorbene Weißstorch zunächst im Kanton Soluthurn wieder angesiedelt werden. Heute gibt es, ausgehend von der Storchen-Siedlung Altreu, wieder 450 Brutpaare. Auch in den Zoos von Basel und Zürich sind etliche freifliegende Weißstörche unterwegs. Dieses Küken im Zoo Zürich ist drei Wochen alt.

Berns berühmter Uhrenturm mit seinem Figurenspiel.

Touristenmagnet Bärengraben in Bern. Das historische Bauwerk gehört zum nationalen Kulturerbe der Schweiz. Der erste Bau dieser Art für Meister Petz wurde 1441 errichtet.

Herzlicher Empfang der Erfurter Zooparkfreunde im Tierpark „Dählholzli“. Von links: Mathias Zach – Geschäftsführer des Tierparkvereins Bern, Lutz Asmus, Stefan Flückiger – Vereinspräsident.

Papageientaucher sind höchst seltene Zoovögel. In Bern haben sie sogar Nachwuchs. Im Freiland gelten die Alkenvögel seit einigen Jahren als in ihrem Bestand gefährdet.

Der Tierpark „Dählhölzli“ widmet sich vor allem einheimischen Tieren. Hier der Europäische Ziesel – ein geselliges Erdhörnchen.

Kleine Tiergärten können, was die Gestaltung, Geräumigkeit und Beschilderung der Anlagen betrifft, viel vom Tierpark „Dählhölzli“ Das Gehege für Persische Leoparden ist dafür ein gutes Beispiel.

Letzte Station der Schweiz-Fahrt – der Rheinfall bei Schaffhausen. Er zieht ebenfalls Scharen von Touristen aus aller Welt an

Eine schöne Reise ist fast zu Ende!